Heinz U. Haus

                                                                                                              

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            HEINZ-UWE HAUS

                             

„„Die Psalmen/antworten auf mein Klopfen/wie ein Xylophon/in den Tönen einer Sternensymphonie“ (Marcel Miron) – ein Kommentar
Marcel Miron, Semne Contemporare/Gegenwärtige Zeichen, übersetzt von Mircea M. Pop, Joachim Schwietzke, Verlag Timpul, Iasi, 2024 (zweisprachig Rumänisch und Deutsch)


„ Wo Dichtung nur Schmuck und Luxus ist, interessiert sie mich nicht, aber dass sie auch Brot und Wein und Lebenshilfe sein kann, ist ihre Rechtfertigung und ihr wahrer Sinn“, schreibt Hermann Hesse in einem Brief an Karl Jacob 1957. Ihrem Wesen nach sei alle Religion Poesie, notiert Hölderlin im Jahrhundert davor. Sie sprenge Begriffe, da sie sich der Eindeutigkeit entziehe. Sie lässt sich nur «nachbeten», wie Martin Walser in einem Vortrag einmal sagte: «So, dass der Leser unmittelbar mitschwingt“. Eine besonders zutreffende Erklärung gab mir einst ein zyprischer orthodoxer Mönch: „Die Dichtung ist die Bildnerin der Seele. Es gibt Kunstwerke der Seelenentfaltung und höhere: des Weltaufschlusses“. Marius Chelaru leitet in ebensolch schöner Klarheit mit der Überschrift „Ein Seelenhauch in jedem Wort“ zu den Gedichten ein. Der Gestus des Dichters und Priesters Marcel Miron könnte nicht präziser erfasst werden.

„Dem Sonnenuntergang entgegen
Entdecken wir entdecken die mit Feuertinte
Geschriebenen Worte neu
Und wir treffen uns wieder
Bei der heiligen Lesung
Aus dem Buch des Lebens“ (p 9)


Tatsächlich sind Dichtung und Religion seit jeher eng miteinander verknüpft. Beide suchen nach dem Unsagbaren, nutzen Metaphern und fordern dazu auf, Grenzen zu überschreiten. Sprache wird oft als göttlicher Ursprung verstanden, während Dichter das Göttliche entschlüsseln, um es dem Menschen verständlich und greifbar zu machen. Der Ursprung des Menschlichen liegt in dem Vermögen, sich die Welt künstlerisch auf Abstand zu halten. Gegen die Übermacht der Wirklichkeit gelingt es dem sprechenden Menschen, so die Einsicht in die Genese der Menschheit, mit seiner Sprache die Mächte zu bändigen, indem er ihnen Namen und Bedeutungen gibt. Die Mächte, die die Welt regieren, können nun gedeutet werden.


Und in jeder Benennung liegt eine Entdämonisierung. Mit dem ersten Gedicht ist Gott besprechbar geworden. Das ist die Stunde der Theologie in buchstäblichem Sinne.

Ikone

Vor ihr
verschwindet die Zeit.
Sie ist das Fenster zur Nichtzeit.

Mit ihr
lädt die Ewigkeit dich ein
zur Rechten des Schoepfers
befrage sie als Wettervorhersage
für den Spaziergang
in der Abendkühle
ohne Abend.
(p. 30)

Heute klingt diese vermeintliche Geschichtserinnerung an den vermuteten Ursprung der Menschheit selbst schon wie ein poetischer Mythos. Mirons Gedichte weisen aus, dass man sich solchen Ursprungsüberlegungen am besten mit der Sprache der Dichtung nähert.

Mönch

Ein nicht gewachsenes Wesen
bahnt sich den Weg
gegen das Einmauern.

Versteckt sich
bahnt den Weg
den Tod des Lebens verfolgend
von dem Schöpfer geschenkt

Sieger
erst wenn
er ganz gestorben ist
.(p.30)
 
Gegen das laute Brüllen und Schwätzen, gegen das aggressive Beschreien des Offensichtlichen und des Banalen hilft die verfeinerte, errungene und an der Form verzauberte Sprache der Dichter, das Göttliche in der Welt zu halten.

Kerze

Ich brenne
und verlösche nicht
damit du den Pfad siehst
Und wenn mein Wachs zu Ende kommt
du
Blinder
wirst gute Augen haben
und anderen
den Weg leuchten.
(p.45)

Der Umgang mit Mirons Poesie schult darin, den Worten Zeit zu lassen. Seine Dichtung erinnert daran, dass ein Satz ..............

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