Eugen D. Popin

                                                                                                              

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               EUGEN D. POPIN
                               
    
                 DIE NACHT DES GEFANGENEN
                                         oder
                         Alles muß gesagt werden *

                 (Fragment aus einem Roman in Arbeit)
        

     Sieh mal, weiser Jonathan – wenn wir schon vorhin vom Gnadenjahr 1990 gesprochen haben, von einem Jahr, über das bereits viele Seiten geschrieben wurden und noch viele weitere geschrieben werden -, so halte ich es dennoch für angebracht, auch wenn es manchen vielleicht anders erscheinen mag, einige Momente hinzuzufügen, die der formalen Auflösung dessen vorausgingen, was im ehemaligen osteuropäischen Raum im Rahmen der Einflusszone der untergegangenen Sowjetunion versucht wurde. Auch wenn ich vielleicht widersprochen werde (vermutlich genau von jenen, die sehr gut wissen, dass meine Behauptung nicht grundlos ist), finde ich es dennoch lohnend, die politische Entwicklung in jenem Raum mit Interesse zu verfolgen. Aber das beabsichtige ich jetzt noch nicht zu tun - ich werde später darauf zurückkommen, nachdem ich etwas Licht auf eine Formulierung werfen möchte: „Du wusstest, was kommen würde!“, ein Vorwurf, der mir von meinen Kollegen nach jenem denkwürdigen 25. Dezember 1989 gemacht wurde.

     ...Einige Monate nach meinem ersten öffentlichen Auftritt als Autor – ein erfreuliches Ereignis, selbstverständlich, das jedoch keinerlei Veränderung hinsichtlich meiner Art zu sein oder meiner Sicht auf andere Menschen mit sich brachte. Das Ereignis allerdings gab mir die Möglichkeit, mit einem Milieu in Kontakt zu kommen, dessen Existenz mir zwar bewusst war, über das ich jedoch keinerlei vertiefte Kenntnisse hatte. Es ist wahr, dass Schriftsteller in jenen Jahren eine gewisse Präsenz im öffentlichen Leben hatten, aber ich hatte keine Vorstellung davon, wie man es anstellte, in Radio- oder Fernsehsendungen eingeladen zu werden. Ich nahm lediglich zur Kenntnis, wenn der eine oder andere Autor in den damaligen Medien erschien, ohne mir Gedanken darüber zu machen, warum immer wieder dieselben auftauchten. Ich bemerkte lediglich, dass die meisten Texte, die dem Publikum vorgelesen wurden, einem bestimmten Thema folgten – meist in Form einer Ode oder Lobhudelei auf das, was unaufhörlich propagiert und heimlich in den Köpfen der Zuhörer und Zuschauer, also der Konsumenten, installiert werden sollte.


Ich bin überzeugt, dass die obenstehende Beschreibung mittlerweile – nun, da diese grobschlächtige und primitive Art, eine Gesellschaft zu führen, überholt ist – in die Kategorie von Informationen mit weniger als 6 Bit gefallen ist, also in die der bedeutungslosen. Doch das ist nicht entscheidend – entscheidend ist die Tatsache selbst. Die Geschichte ist nämlich – auch wenn es vielen gar nicht gefallen mag, was ich nun behaupte – leider und allzu oft sehr weit entfernt von der Wahrheit. So sehr entfernt ist die Geschichte von der Wahrheit, dass sie, nicht selten, geradezu etwas anderes ist. Und das ist leider seit Hunderten von Jahren der Fall.

      In einem freundschaftlichen Gespräch mit einem Redakteur einer Literaturzeitschrift, in der ich das Glück hatte, einige meiner Gedichte veröffentlicht zu sehen, wurde mir – selbstverständlich sehr diskret und mit viel Takt – nahegelegt, dass es wünschenswert wäre, das Notwendige zu unternehmen, um Parteimitglied zu werden, wenn ich weiterhin veröffentlichen und später vielleicht sogar Bücher herausbringen wolle. Nun – dieser Moment war für mich wie das Gefühl, das einen befällt, wenn man am Rande eines Abgrunds anhält und in die Tiefe blickt, in die der Blick unwillkürlich abgleitet. Ich weiß nicht mehr, wirklich nicht, wie ich damals reagierte und ob ich überhaupt etwas erwiderte. Wahrscheinlich habe ich irgendetwas Unbedeutendes gestammelt, das in den Rahmen des kollegial gemeinten Rates passte. Erst viel später erfuhr ich von der freundschaftlichen Verbindung ebenjenes erfahreneren Kollegen mit dem Offizier, der seitens der Securitate für die „Fragen von Kunst und Kultur“ verantwortlich war. Natürlich war er nicht der Einzige, der diesen iskarischen Pakt schloss.

     Dieser uneigennützige (!) Ratschlag – oder vielleicht im Gegenteil - beschäftigte mich jedenfalls noch lange in meinem täglichen Denken. Die Lebensgeschichte meines Vaters war jedoch stets präsent im Kopf dieses jungen Literaturdebütanten und überschattete mit ihren schmerzlichen Seiten meinen Wunsch, in die Reihen der literarischen Zunft aufgenommen zu werden. Und das, obwohl sich mein Traum, einen geisteswissenschaftlichen Zweig einer Oberschule zu absolvieren und philologische Studien fortzusetzen, nie erfüllt hatte. Aber, wie ich es schon öfters gesagt habe: Alles geschieht so, wie es geschehen soll - auch wenn wir nicht immer bereit sind, diese Sichtweise zu akzeptieren. Nach einer Weile des Nachdenkens über unsere gesamte Lage - eingebettet, wie wir alle waren, in ein sozio-politisches System mit diktatorischem Regime, mit einer Partei, die einzig dem Willen einer einzelnen Person an der Spitze verpflichtet war - einer Diktatur, die es wie alle Diktaturen geschafft hatte, einen entsprechenden Unterdrückungsapparat aufzubauen –, brachte ich eines Abends das Thema, nachdem ich mir im Stillen klar geworden war, dass ich die Absicht klar aussprechen musste, beim Abendessen mit Ica, meiner Frau, zur Sprache.

     Es mag seltsam klingen, doch das, was nach diesem Abend geschah - nachdem ich ihr offen und ohne Zurückhaltung all meine Ängste anvertraut hatte -, war die Bestätigung meines Gefühls, dass wir schlichtweg gezwungen waren,
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